CT-Baupreisindex für Chemieanlagen PCD steigt im zweiten Quartal deutlich
Der Iran-Krieg sorgte im Frühjahr für einen neuen Energiepreisschock – und dieser ist inzwischen auch in der industriellen Wertschöpfung angekommen. Im zweiten Quartal 2026 verteuerten sich nahezu alle relevanten Gewerke. Besonders deutlich legten die Bautechnik und die Prozessleittechnik zu. Und auch der Anstieg bei den Ingenieurleistungen wird relevant.
Ein Ingenieur mit Bauplan steht vor einer großen Industrieanlage mit Rohrleitungen, Gerüsten und Türmen.KI-generiert mit OpenAI
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Der PCD-Baupreisindex steigt im zweiten Quartal 2026 um 1,4 %
gegenüber dem Vorquartal.
Bautechnik und Prozessleittechnik verteuern sich
überdurchschnittlich.
Der Preisdruck verlagert sich von der Energie auf Materialien,
Komponenten und Leistungen.
Die Erzeugerpreise gewerblicher Produkte lagen im Juni 2026 um 1,8 % über dem Niveau des Vorjahresmonats. Gegenüber Mai gingen sie zwar um 0,3 % zurück. Hinter diesem leichten Monatsrückgang verbirgt sich jedoch eine deutliche Verschiebung der Preistreiber: Energie war gegenüber Juni 2025 lediglich 0,4 % teurer. Die Preise für Vorleistungsgüter lagen dagegen um 5,1 % über dem Vorjahresniveau.
Damit setzt sich eine Entwicklung fort, die bereits im Frühjahr begonnen hatte. Im März waren die Energiepreise gegenüber Februar sprunghaft um 7,5 % gestiegen. Im April folgte ein weiterer Anstieg um 2,4 %. Im Mai stabilisierten sich insbesondere die Mineralölpreise weitgehend auf dem zuvor erreichten hohen Niveau, bevor sie im Juni etwas zurückgingen.
Der unmittelbare Energiepreisschub ist damit vorerst abgeklungen. Seine Folgen wirken jedoch weiter. Höhere Kosten für Energie, Transport und energieintensive Grundstoffe schlagen zeitverzögert auf Materialien und industrielle Vorprodukte durch. Hinzu kommen eigenständige Rohstoffeffekte: Metalle verteuerten sich im Juni gegenüber dem Vorjahresmonat um 11,8 %, Kupfer und Halbzeug daraus sogar um 26 %. Roheisen, Stahl und Ferrolegierungen kosteten 3,4 % mehr, Betonstahl 6,2 %. Auch chemische Grundstoffe lagen mit einem Plus von 12,9 % deutlich über dem Vorjahresniveau.
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Für den Anlagenbau ist diese Entwicklung relevanter als der reine Energieindex. Denn die Preise von Stahl, Kupfer, chemischen Vorprodukten, elektrischen Komponenten und technischen Ausrüstungen fließen unmittelbar in die Kalkulation von Anlagenprojekten ein. Der Inflationsdruck verschwindet somit nicht, sondern wandert entlang der Wertschöpfungskette weiter.
Preisentwicklung in den wichtigsten Gewerken für den Bau von Chemieanlagen.Daten: Destatis, Grafiken: CHEMIE TECHNIK
PCD steigt im Quartalsvergleich um 1,4 Prozent
Der PCD-Baupreisindex für Chemieanlagen stieg im zweiten Quartal 2026 gegenüber dem ersten Quartal um 1,37 %. Damit hat sich die Preisentwicklung gegenüber dem Jahresbeginn nochmals beschleunigt. Im ersten Quartal hatte der Zuwachs gegenüber Q4 2025 noch 0,85 % betragen.
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Im Vergleich zum Jahresdurchschnitt 2025 liegt der Gesamtindex inzwischen um 2,60 % höher. Gegenüber dem zweiten Quartal 2025 beträgt der Anstieg 2,67 %. Die Entwicklung ist dabei breit angelegt: Sämtliche großen Anlagenbau-Gewerke liegen über dem Vorjahresniveau, wenn auch mit deutlich unterschiedlichen Steigerungsraten.
Auffällig ist insbesondere die Bautechnik. Sie verteuerte sich gegenüber dem ersten Quartal um 2,03 % und damit deutlich stärker als der Gesamtindex. Gegenüber dem Jahresdurchschnitt 2025 beträgt der Anstieg 2,85 %.
Der stärkste Impuls innerhalb der Bautechnik kam von Kanälen und Straßen. Dieses Teilgewerk verteuerte sich im Quartalsvergleich um 3,29 %. Hier dürften sowohl höhere Materialpreise als auch gestiegene Kosten für Transport, Baumaschinen und ausführende Leistungen eine Rolle spielen. Gerade Straßen- und Kanalbauarbeiten sind vergleichsweise energie- und materialintensiv. Bitumen, Kraftstoffe, mineralische Baustoffe und Maschinenstunden wirken sich unmittelbar auf die Preisbildung aus.
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Die Entwicklung passt damit zum gesamtwirtschaftlichen Bild. Während die Energiepreise selbst im Juni gegenüber dem Vormonat bereits wieder zurückgingen, lagen zahlreiche energieintensive Vorleistungen und Baustoffe weiterhin deutlich über dem Vorjahresniveau. Die Kostensteigerung hat sich von den Energieträgern in die nachgelagerten Produkte und Leistungen verlagert.
Der Vergleich zwischen zweitem Quartal 2026 und dem Jahresdurchschnitt 2025 verdeutlicht die besondere Dynamik im Gewerk Prozessleittechnik.Daten: Destatis, Grafiken: CHEMIE TECHNIK
Automatisierungssysteme treiben die Prozessleittechnik
Auch die Prozessleittechnik gehört im zweiten Quartal zu den überdurchschnittlichen Preistreibern. Das Gewerk verteuerte sich gegenüber Q1 um 1,67 %. Im Vergleich zum Jahresdurchschnitt 2025 liegt das Preisniveau bereits um 3,89 % höher, gegenüber dem zweiten Quartal 2025 sogar um 4,0 %.
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Besonders auffällig sind die Automatisierungssysteme. Ihre Preise stiegen gegenüber dem ersten Quartal um 5,66 %. Damit verzeichnet dieses Teilgewerk den mit Abstand stärksten Quartalsanstieg innerhalb der betrachteten Hauptkomponenten.
Die Entwicklung dürfte mehrere Ursachen haben. Automatisierungssysteme enthalten einen hohen Anteil elektronischer Komponenten, spezialisierter Hardware und Software. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an Cybersecurity, Systemintegration, Datenverfügbarkeit und funktionale Leistungsfähigkeit. Prozessleitsysteme werden nicht mehr lediglich als Steuerungstechnik beschafft, sondern zunehmend als Plattform für Betrieb, Optimierung, Diagnose und Lifecycle-Services.
Hinzu kommt, dass Automatisierungstechnik branchenübergreifend stark nachgefragt wird. Chemieanlagen konkurrieren bei Steuerungen, Servern, Kommunikationskomponenten und Engineering-Kapazitäten mit Energieanlagen, Rechenzentren, der Pharmaindustrie, dem Maschinenbau und zahlreichen Infrastrukturprojekten. Eine schwache Investitionskonjunktur in der deutschen Chemieindustrie führt deshalb nicht automatisch zu sinkenden Preisen.
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Maschinen und Apparate mit moderatem Anstieg
Maschinen und Apparate verteuerten sich im zweiten Quartal gegenüber Q1 um 0,94 %. Damit blieb der Anstieg unter dem des Gesamtindex. Im Vergleich zum Jahresdurchschnitt 2025 liegt dieses Gewerk jedoch bereits um 2,50 % höher, gegenüber Q2 2025 um 2,39 %.
Die Entwicklung entspricht annähernd den allgemeinen Erzeugerpreisen für Investitionsgüter. Diese lagen im Juni 2026 um 2,1 % über dem Vorjahresniveau. Maschinen kosteten nach Angaben von Destatis 1,9 % mehr als im Juni 2025.
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Veränderungen im Preisindex Chemieanlagen Deutschland zwischen zweitem und erstem Quartal 2026.Daten: Destatis, Grafiken: CHEMIE TECHNIK)
Ingenieurleistungen werden zum relevanten Kostentreiber
Von besonderer Bedeutung für den Gesamtindex ist die Entwicklung der Ingenieurleistungen. Mit einem Anteil von 28 % bilden sie das größte Einzelgewicht im PCD. Der Vergleich mit dem Jahresdurchschnitt 2025 zeigte sich bereits im ersten Quartal ein Anstieg von 2,30 %.
Die höheren Preise lassen sich nicht unmittelbar mit den Material- und Energiepreisen erklären. Ausschlaggebend sind vielmehr Personalkosten, Fachkräfteknappheit und steigende Anforderungen an die Projektabwicklung. Der Engineering-Aufwand nimmt in vielen Projekten zu – etwa durch komplexere regulatorische Vorgaben, höhere Dokumentationsanforderungen, Cybersecurity, internationale Lieferketten sowie zusätzliche Schnittstellen zwischen Betreibern, EPCs und Lieferanten.
Montage und Ausrüstung bleiben ebenfalls teurer
Montageleistungen legten gegenüber dem ersten Quartal um 0,87 % zu. Gegenüber dem Jahresdurchschnitt 2025 beträgt der Anstieg 2,97 %, gegenüber Q2 2025 sogar 3,43 %. Damit bleibt die Montage ein wesentlicher struktureller Kostentreiber.
Das Preisbild im zweiten Quartal ist damit nicht durch einen einzelnen Ausreißer geprägt. Die höheren Kosten ziehen sich durch Planung, Materialien, Ausrüstung und Ausführung. Besonders dynamisch entwickeln sich derzeit diejenigen Gewerke, in denen steigende Vorleistungspreise auf knappe Fachkompetenz und hohe technische Anforderungen treffen.
Im Vergleich zu den Erzeugerpreisen für gewerbliche Produkte ist die Dynamik beim Chemieanlagen Preisindex PCD deutlich geringer.Daten: Destatis, Grafiken: CHEMIE TECHNIK
Für das zweite Halbjahr zeichnet sich keine schnelle Rückkehr zu stabilen oder sinkenden Anlagenpreisen ab. Zwar könnten rückläufige Energiepreise die Kostenentwicklung etwas dämpfen. Gleichzeitig liegen die Preise wichtiger Vorleistungen deutlich über dem Vorjahresniveau.
Vor allem die Entwicklung bei Metallen, Kupfer, chemischen Grundstoffen und Auto matisierungskomponenten bleibt für den Chemieanlagenbau relevant. Hinzu kommen strukturell höhere Kosten für Engineering und Montage. Damit dürfte der PCD-Baupreisindex auch in den kommenden Quartalen weiter steigen – möglicherweise weniger sprunghaft als im zweiten Quartal, aber auf einer inzwischen deutlich höheren Kostenbasis.
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Mit dem Engineering Summit steigt am 15. und 16. September 2026 in Darmstadt wieder die wichtigste Veranstaltung des europäischen Anlagenbaus. Top-Speaker aus Industrie, Politik und Forschung liefern Impulse, Best Practices und kontroverse Debatten – ergänzt durch Networking-Sessions und eine Fachausstellung. Der Summit bietet damit einmal mehr die Plattform, um Trends zu setzen und Projekte der Zukunft auf den Weg zu bringen.