Preisstabilität gegen den Strom: Im Jahr 2025 zeigte sich der Chemieanlagenbau einmal mehr als Sonderfall innerhalb der industriellen Preisentwicklung: Während die Erzeugerpreise für gewerbliche Produkte laut Statistischem Bundesamt im Jahresmittel um 1,2 % sanken, legte der PCD-Baupreisindex um deutliche 2,4 % zu.
Dieser gegenläufige Trend unterstreicht die branchenspezifische Dynamik von Chemieanlagenbau-Projekten, in denen technische Anforderungen, individuelle Projektplanung und langfristige Lieferverpflichtungen eine preistreibende Rolle spielen.
Veränderungen im PCD: Jahresvergleich nach Gewerken
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Ein genauer Blick auf die Jahresdurchschnittszahlen des PCD zeigt, dass sich die Preisentwicklung 2025 sehr unterschiedlich auf die einzelnen Gewerke verteilt hat. Am stärksten legten die Montageleistungen zu, die im Schnitt um +3,5 % teurer wurden. Hier schlagen insbesondere gestiegene Löhne und Engpässe bei qualifiziertem Personal durch. Auch Ingenieurleistungen, mit einem Anteil von 28 % das Schwergewicht im PCD, trugen mit einem Plus von 3,4 % im Jahresvergleich zu der Entwicklung bei. Maschinen und Apparate verzeichneten mit +1,8 % ebenfalls einen merklichen Anstieg – auch dieser Bereich ist traditionell besonders preissensibel, da er einen hohen Anteil (22 %) am Gesamtprojektvolumen ausmacht.
Preisentwicklung in den wichtigsten Gewerken für den Bau von Chemieanlagen.Daten: Destatis, Grafiken: CHEMIE TECHNIK
Im Gegensatz dazu verteuerten sich Leistungen der elektrischen Energieversorgung lediglich um 1,1 % und Rohrleitungstechnik verbilligte sich um 0,4 %. Spannend ist ein Blick auf die Bautechnik. Im Chemieanlagen-Index PCD verteuerte sich diese im Jahresdurchschnitt um 1,7 %, im Vergleich dazu bilanziert das Statistische Bundesamt für den Zeitraum von Januar bis November 2025 ein inflationsbereinigtes Umsatzplus von 2,1 % und ein nominales Umsatzplus von 6,8 %. Im Hochbau stieg der Auftragseingang sogar um 9,5 %, was für den Chemieanlagenbau im Jahr 2026 ebenfalls signifikante Preissteigerungen erwarten lässt.
Der Vergleich zwischen dem vierten Quartal 2025 mit dem Vorjahresdurchschnitt zeigt die besondere Dynamik bei Montageleistungen.Daten: Destatis, Grafiken: CHEMIE TECHNIK.
Im Vergleich zu den Erzeugerpreisen für gewerbliche Produkte ist die Dynamik beim Chemieanlagen-Preisindex PCD deutlich geringer.Daten: Destatis, Grafiken: CHEMIE TECHNIK
Ein Blick auf das zweite Halbjahr 2025 zeigt Indizien für die aktuelle Preisentwicklung für den Start in das Jahr 2026: Vor allem bei Montageleistungen war zuletzt ein besonders signifikanter Preisanstieg zu beobachten, aber auch Prozessleittechnik legt wieder stärker zu. Bei Maschinen und Apparaten war zuletzt (Q4-2025) ein Rückgang (-0,55 %) zu verzeichnen.
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Gegenläufig zu Energie
Ein wesentlicher Grund für den Rückgang der Erzeugerpreise war die deutliche Entspannung bei Energie: Gas (-8,3 %) und Strom (-7,5 %) verbilligten sich im Jahresdurchschnitt. Ohne Energie gerechnet stiegen die Erzeugerpreise sogar leicht um +1,2 % – eine Entwicklung, die sich im PCD ebenfalls andeutet, allerdings mit stärkerem Anstieg.
Der PCD-Index reagiert traditionell weniger sensibel auf kurzfristige Energiepreisschwankungen, da Chemieanlagenprojekte langzyklisch geplant werden. Trotzdem trugen sinkende Energiepreise zur allgemeinen Kostendämpfung bei und verhinderten stärkere Steigerungen in anderen Komponenten.
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Investitionszurückhaltung trotz Auftragszuwachs
Laut Destatis stieg der reale Auftragseingang im Bauhauptgewerbe im November 2025 um +4,1 % gegenüber dem Vorjahresmonat. Dennoch blieb die Investitionsdynamik im Chemieanlagenbau insgesamt verhalten. Die größten Impulse kamen aus dem Export, während die Inlandsnachfrage stabil, aber wenig expansiv blieb.
Der PCD-Baupreisindex für Chemieanlagen zeigte sich 2025 resistent gegen den deflationären Trend der allgemeinen Erzeugerpreise. Getragen von anhaltenden Preissteigerungen bei Maschinen, Montage und verfahrenstechnischer Komplexität, bewegte sich der Index kontinuierlich aufwärts. Die Zahlen legen nahe: Im Spezialanlagenbau dominiert nicht die kurzfristige Marktdynamik, sondern die strukturelle Kostentreue komplexer Projekte.
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Ausblick 2026: Vorsichtiger Optimismus
Trotz anhaltender geopolitischer Unsicherheiten und schwankender Rohstoffpreise könnte 2026 das Jahr einer leichten Wiederbelebung im Investitionsverhalten werden. Eine stabile Preisbasis könnte das Vertrauen in mittelfristige Projekte stärken—entscheidend bleibt jedoch, wie sich das wirtschaftliche Umfeld und die regulatorischen Rahmenbedingungen entwickeln.