Mit klassischem Engineering zu mehr Nachhaltigkeit
Griesemann übernimmt Engineering für Methanol-Projekt in Marl
Im Chemiepark Marl entsteht eine Demonstrationsanlage für Methanol auf Basis der Liquidsolar-Technologie. Die Griesemann Gruppe übernimmt das Front-End Engineering Design und Basic Engineering für das Projekt, dessen Inbetriebnahme für Anfang 2027 geplant ist.
Greenlyte
Im
Chemiepark Marl entsteht mit dem Projekt „Liquidsolar Methanol“ die erste
industrielle Demonstrationsanlage der gleichnamigen Technologie, die den Prozess des Unternehmens Greenlyte in finaler Komponentengröße für die Kommerzialisierung zeigen
soll. Mit der Technologie lassen sich grünes CO2 und grüner
Wasserstoff in einem integrierten Prozess direkt aus Luft, Wasser und
erneuerbarem Strom standortunabhängig, ohne fossile Vorprodukte produzieren.
Dafür wird atmosphärisches CO2 abgeschieden, als festes Bicarbonat
zwischengespeichert und über eine anschließende Elektrolyse gemeinsam mit
grünem Wasserstoff freigesetzt, die beiden Rohstoffe der E-Fuel-Produktion aus
einem einzigen Prozess.
E-Fuels –
synthetische Kraftstoffe aus erneuerbarem Strom, CO2 und Wasserstoff
– sind die logische Antwort auf die Herausforderung, die Versorgungssicherheit
zu erhöhen. Technologisch ist das Prinzip bekannt. Die Hürde liegt im
kostengünstigen Feedstock. Grüner Wasserstoff lässt sich über Elektrolyse
produzieren, und skalierbare Anlagen entstehen weltweit, es braucht aber noch
einen weiteren Rohstoff. „Eine souveräne Produktion braucht eine CO2-Quelle, die
dauerhaft verfügbar, unabhängig vom Spotmarkt und damit preisstabil ist. Die
Atmosphäre liefert genau das und hier setzen wir bei Greenlyte an", erläutert
Dr. Martin Schmickler, COO bei Greenlyte Carbon Technologies. Der Standort Marl
eignet sich aufgrund seines Netzes für grünen Wasserstoff, industriellen
Abnehmern für Methanol, sowie der für die Integration benötigten Infrastruktur.
Die
Griesemann Gruppe übernimmt das Front-End Engineering Design (Feed) sowie das
Basic Engineering des Projekts und bringt die methodische Tiefe ein, die für
den Übergang von einer validierten Technologie zur industriellen Anlage
entscheidend ist: Prozessauslegung, Sicherheitskonzepte,
Genehmigungsmanagement, Schnittstellendefinition und eine realistische Kostenschätzung.
Mit
seiner Kombination aus Standortnähe und tiefem Technologieverständnis bringt der
Anlagenbauer das Profil mit, das First-of-its-Kind- oder
Transformationsprojekte benötigen. Seit rund zehn Jahren ist Nachhaltigkeit
fest als praktisches Handlungsfeld verankert. Der Anlagenbauer ist eingebunden
in Planungs- und Umsetzungsprojekten, die neue Technologien in den
industriellen Maßstab überführen. Zum Projektportfolio gehören Wärme- und
Energieffizienz, Power-to-X-Anwendungen wie E-Fuels und Sustainable Aviation
Fuels, Carbon Capture, chemisches Kunststoffrecycling sowie Biopolymere. Diese
Bandbreite ist kein Zufall, sondern Ergebnis eines gesamtheitlichen
Engineering-Ansatzes, der alle Projektphasen abdeckt, von der
Machbarkeitsstudie über Basic- und Detail-Engineering bis hin zu EPCM- und
EPC-Lösungen. Die Komplexität grüner Technologien zeigt sich dabei bereits in
der Projektdefinition, da Unterschiede in Verfahren, Reifegraden und
regulatorischen Rahmenbedingungen bestehen.
Björn
Griesemann erläutert: „Die Basis jeder Planung und Umsetzung ist weiterhin das
Engineering – allerdings nicht als isolierte Disziplin, sondern als
ganzheitlicher Ansatz. Gerade bei neuen Technologien müssen zusätzliche
Bedürfnisse und Handlungsfelder von Anfang an mitgedacht werden: von
Genehmigungs- und Sicherheitsanforderungen über Energie- und
Ressourceneffizienz bis hin zu Wirtschaftlichkeit und Skalierbarkeit. Nur wenn
all diese Aspekte integriert betrachtet und geplant werden, können Projekte in
der Transformation und Energiewende technisch zuverlässig, wirtschaftlich
tragfähig und nachhaltig umgesetzt werden.“
Der
Aufbau in Marl erfolgt iterativ: Die erste Ausbaustufe des Prozesses soll im Q4
2026 erfolgen, die Inbetriebnahme ist für Q1 2027 geplant. Im Jahr 2027 ist
zudem vorgesehen, die Kapazität zu erweitern sowie eine an den Prozess
angeschlossene Methanolsynthese durch einen Partner aufzubauen. Das Projekt ist
als Referenz für die europaweite Skalierung konzipiert. Nach rund dreieinhalb Jahren technischer
Validierung folgt mit dem Projekt in Marl der nächste Schritt zur industriellen
Umsetzung der Liquidsolar-Technologie. Das Vorhaben wird von Syneqt begleitet
und umfasst den Aufbau eines Netzwerks aus Technologiepartnern, Zulieferern
sowie Infrastrukturakteuren und Abnehmern, das den Weg für künftige
Großprojekte bereiten soll.