Worauf sich Arbeitgeber und Gewerkschaft geeinigt haben
Die Tarifeinigung in der Chemie 2026
Die Chemiearbeitgeber BAVC und die Gewerkschaft IGBCE haben sich in den Tarifverhandlungen 2026 auf einen Abschluss verständigt. Der Tarifvertrag umfasst einen Beschäftigungssicherungsbeitrag, zwei Entgelterhöhungen sowie eine Laufzeit bis Mai 2028.
Nach drei Verhandlungen auf Bundesebene konnten sich Arbeitgeber und Gewerkschaft auf einen Tarifabschluss einigen.
Andreas Reeg / IGBCE
Chemie-Tarifabschluss 2026 in Kürze:
- Beschäftigungssicherungsbeitrag und Beschäftigungssicherungsfonds: In diesem und im kommenden Jahr stehen jeweils 300 Euro pro Tarifbeschäftigten für Maßnahmen zur Beschäftigungssicherung zur Verfügung.
- Erste Entgelterhöhung: +2,1 Prozent ab 1. Januar 2027.
- Zweite Entgelterhöhung: +2,4 Prozent ab 1. Januar 2028.
- Laufzeit des Tarifvertrags: Der Tarifvertrag gilt bis Mai 2028.
- Neue Vorziehmöglichkeit: Unternehmen, die wirtschaftlich gut dastehen, können beide Tariferhöhungsschritte auf den 1. Oktober vorziehen.
- Besonderheit des Abschlusses: Die Möglichkeit, Erhöhungen bei guter wirtschaftlicher Lage früher umzusetzen, gilt als neue Flexibilisierung im Tarifabschluss.
Die Einigung im Chemie-Tarif 2026 erfolgte in der dritten Verhandlungsrunde, den Ablauf können Sie in unserem Tarifblog nachlesen. Kern des Tarifabschlusses sind ein Beschäftigungssicherungsbeitrag und Beschäftigungssicherungsfonds sowie zwei tabellenwirksame Entgelterhöhungen. In diesem und im kommenden Jahr sollen jeweils 300 Euro pro Tarifbeschäftigten in den Unternehmen für Maßnahmen zur Beschäftigungssicherung zur Verfügung stehen. Über die Laufzeit stellt die Branche insgesamt mehr als 350 Mio. Euro für Investitionen in den Erhalt und die Weiterentwicklung von gefährdeten Arbeitsplätzen zur Verfügung. Bei der Entgeltentwicklung wurde eine Erhöhung in zwei Stufen vereinbart: Ab 1. Januar 2027 steigen die Entgelte um 2,1 %, ab 1. Januar 2028 folgt eine weitere Erhöhung um 2,4 %. Der Tarifvertrag läuft bis Mai 2028.
Tarifschritte können vorgezogen werden
Neu ist nach Darstellung der Tarifparteien eine Vorziehmöglichkeit für wirtschaftlich gut aufgestellte Unternehmen. Beide Tarifschritte können demnach auf den 1. Oktober vorgezogen werden. Damit soll das unterschiedliche wirtschaftliche Bild in der Branche abgebildet werden. IGBCE-Verhandlungsführer Oliver Heinrich erklärte: „Die politischen Rahmenbedingungen belasten natürlich die Kolleginnen und Kollegen ganz besonders mit Blick auf Inflation, Jobangst und Kaufkraftverlust.“ Das Ergebnis der Tarifverhandlungen solle dieser Breite Rechnung tragen. Zum Vergleich, so sah der Tarifabschluss 2024 aus.
Auch die Arbeitgeberseite bewertet den Abschluss als Beitrag zur Stabilisierung der Branche. Matthias Bürk, Verhandlungsführer auf Arbeitgeberseite, sprach von einer dringend benötigten Entlastung für die Unternehmen. Die lange Laufzeit gebe Planungssicherheit, die Konditionen seien krisengerecht. Zugleich verwies er auf tarifpolitisches Neuland mit einem Transformationstarifvertrag, der den bestehenden Demographie-Tarifvertrag weiterentwickeln solle: ohne neue Bürokratie, ohne zusätzliche Komplexität, aber mit mehr Möglichkeiten, die Transformation anzupacken.
BAVC-Präsidentin Katja Scharpwinkel ordnete den Abschluss wie folgt ein: „Das ist ein Tarifabschluss, der zeigt, dass wir auch in schwierigen Zeiten gemeinsam zu Lösungen kommen können. Das ist natürlich ein Abschluss, der auch die Krise der Chemie- und Pharmaindustrie gerade widerspiegelt, gleichzeitig aber auch ein Abschluss, der Planungssicherheit und auch Orientierung gibt. Man kann in Summe sagen, dass wir hier zeigen, dass wir als Sozialpartner einen wichtigen Beitrag leisten können, sowohl mit dem Weg zur Einigung wie auch mit dem Ergebnis selbst, und dass die Sozialpartnerschaft hier tatsächlich einen Unterschied macht.“
Tarifvertrag befreit nicht von Verantwortung
Für IGBCE-Vorsitzenden Michael Vassiliadis ist offensichtlich, dass es sich bei der Einigung um einen krisengerechten Abschluss handle. Es sei aber auch klar ein Weg den Beschäftigten, die unter finanziellem Druck in dieser Krise stehen, Planungssicherheit für ihr Einkommen zu geben. „Wir diskutieren logischerweise weit über die Tarifverhandlungen hinaus die Zukunft des Chemiestandortes in Deutschland. Dahingehend haben wir große Erwartungen an die Regierung, aber auch an die Unternehmen. Wenn wir mit diesem Tarifvertrag einen Beitrag geleistet haben und die Unternehmen in eine Lage versetzt haben, handlungsfähig zu sein, muss das auch geschehen.“ Er betont, dass die Gewerkschaft die Unternehmen daran messen werde, inwieweit diese Zukunftsperspektiven für die chemische Produktion in Deutschland erhalten würden.