So laufen die Gespräche zwischen Arbeitgeber und Gewerkschaft

Tarifblog: Alle News zu den Chemie-Tarifverhandlungen 2026

Alle (zwei) Jahre wieder finden die Tarifverhandlungen für die chemisch-pharmazeutische Industrie statt. Und auch 2026 haben Arbeitgeber und Gewerkschaft wieder sehr verschiedene Ansichten, wie es der Industrie aktuell geht und was zumutbar ist – ein Überblick der Verhandlungen.

4 min
Tarifblog für die Chemie-Tarifverhandlungen 2026
Die Arbeitgeber fordern in den Chemie-Tarifverhandlungen eine Atempause, die Arbeitnehmer sehen noch Luft nach oben.

Wie gehen die Chemie-Tarifverhandlungen weiter?

Was? 3. Runde der Verhandlungen zum Chemie-Tarif 2026 auf Bundesebene

Wann?  Dienstag, den 24. und Mittwoch, den 25. März 2026

Wer? IGBCE (Gewerkschaft) und BAVC (Arbeitgeberverband)

Wo? Bad Breisig

24. Februar 2026, 14:16 Uhr:  Auch die zweite Runde der Tarifverhandlungen wurde nun ohne Ergebnis vertagt – auf den 24. und 25. März in Bad Breisig.  BAVC-Verhandlungsführer Matthias Bürk erläuterte nach dem Scheitern der heutigen Verhandlungen:  „Wir müssen weiter verhandeln, um den Graben von beiden Seiten zuzuschütten. Am Ende brauchen wir einen Tarifabschluss, mit dem unsere Branche wettbewerbsfähiger wird.“ Nun gelte es, kühlen Kopf zu bewahren. „Wir werden weiter konstruktiv an einem Kompromiss arbeiten. Beide Seiten sind in der Pflicht, für Fortschritte in den Verhandlungen zu sorgen.“

„Die Arbeitgeber haben ein Angebot vorgelegt, das noch zu weit von den Sorgen und der Lebensrealität der Beschäftigten entfernt ist“, machte IGBCE-Verhandlungsführer Oliver Heinrich deutlich. „Offensichtlich brauchen sie noch Wochen der inneren Einkehr, damit wir zu sozialpartnerschaftlichen Kompromissen kommen.“

24. Februar 2026, 08:18 Uhr: Nach Aussagen von IGBCE und BAVC startete die zweite Runde der Tarifverhandlungen gestern in Wiesbaden zäh. Die Gespräche liefen bis in die Nacht. Oliver Heinrich, Verhandlungsführer der Gewerkschaft, resümiert in einem Linkedin-Video: "Viele Stunden mit Höhen und Tiefen liegen hinter uns. Wir haben jetzt in der Achterkommission in kleiner Runde versucht auszuloten, was in unseren beiden Themen – Beschäftigungssicherung und vor allen Dingen die Stärkung der Kaufkraft – drin ist. Wir werden jetzt die Nacht nutzen, gemeinsam mit den Arbeitgebern weiter zu verhandeln. Es ist alles offen, ich kann noch nicht sagen, ob wir hier in Wiesbaden zu einem Ergebnis kommen."

23. Februar 2026: Ab heute Mittag gehen die Chemie-Tarifverhandlungen auf Bundesebene in die zweite Runde. Vor Verhandlungsbeginn wies IGBCE-Verhandlungsführer Oliver Heinrich darauf hin, dass der Schwerpunkt der Verhandlungen jetzt auf der Kaufkraftsteigerung läge. Der Bundesarbeitgeberverband Chemie argumentiert dagegen: Es gäbe keinen Nachholbedarf, da das Gesamtniveau des Chemie-Tarifs seit 2010 um 54 % stieg, während die Verbraucherpreise um 41 % stiegen.

16. Februar 2026: Nächste Woche geht es mit den Tarifverhandlungen auf Bundesebene weiter. Aber auch abseits der Verhandlungsräume nutzen die beiden Parteien die Zeit, über ihre Ansichten auf verschiedenen Kanälen wie Youtube, Linkedin und ihr jeweiligen Webseiten zu informieren.

Der BAVC fasst die Lage der Chemieindustrie in Deutschland mit Zahlen zusammen. Die Produktion der Grundstoffchemie sei verglichen mit 2018 um 24 % gesunken. Seit 2018 sinke die Netto-Produktion nicht nur in diesem Bereich spürbar. In der Sparte Pflanzenschutz liegt sie mit 40 % im Minus, im Bereich Chemiefasern mit 53 %. Den „geringsten“ Rückgang der Produktion verzeichnet die Mineralölverarbeitung mit –11 %. Die Pharmaproduktion bleibt bei gleichen Produktionswerten wie 2018.

Der Arbeitgeberverband zieht zusätzlich den Vergleich mit Zahlen aus Anfang 2022 heran. Seit dem sei die Produktion um 14 %, der Umsatz um 16 %, die Auftragseingänge um 22 % und die Produktivität der Beschäftigten um 18 % gesunken. Hauptursachen für die Rückgänge sieht der Arbeitgeberverband in den Energie- und Rohstoffkosten sowie der schwachen industriellen Nachfrage. Hinzu komme die Belastung durch Bürokratie sowie hohe Arbeits- und Sozialkosten. In Summe hätten weite Teile der Branche so ihre Wettbewerbsfähigkeit verloren. Darum setzen sich die Arbeitgeber in der Tarifrunde für eine tarifpolitische Atempause ein, die der Branche helfen soll, ihre internationale Wettbewerbsfähigkeit zurückzugewinnen.

Vertreterinnen und Vertreter aus der Tarifkommission der IGBCE werden in einem Youtube-Video zitiert. Sie halten gegen die Aussagen des Arbeitgeberverbands unter anderem gegen, dass Wettbewerbsfähigkeit keine Standortsicherung sei. Man müsse den Beschäftigten Sicherheit geben, dass es auch 2027 und 2028 noch Beschäftigung in der chemischen Industrie gebe. Dies seien die "Scheidejahre", ob der Industriestandort Deutschland weiter bestehe oder nicht. Schwierigkeiten sieht eine zitierte Vertreterin darin, dass die Voraussetzungen der Unternehmen in der Branche aktuell so unterschiedlich seien, was eine einheitliche Regelung umso schwieriger mache. Sie befürchtet, dass diejenigen, die in Unternehmen arbeiten, denen es gut geht, von dem Abschluss enttäuscht sein könnten. Dafür erwartet sie, dass Mitarbeitende aus schlecht gestellten Unternehmen froh über die Regelungen sein werden, die ein Tarifabschluss erreichen könnte.

Ein anderer Gewerkschaftsvertreter zeigt sich enttäuscht über die wenigen Vorschläge, mit denen die Arbeitgeberseite an den Verhandlungstisch gekommen sei. Er hatte erwartet, dass der Arbeitgeber nach den neun regionalen Tarifverhandlungen etwas Konkretes vorstellt. Diese geringe Initiative empfindet er den Beschäftigten gegenüber als ungerecht und nicht in Ordnung.

Eine weitere Vertreterin hofft auf einen Durchbruch bei der Beschäftigungssicherung, auch wenn ihr klar ist, dass dies kein einfach zu gestaltendes Thema ist. Vor allem wünscht sie sich, dass die Auszubildenden in der Branche eine gute Lösung bekommen – denn die stünden in der aktuellen strukturellen Veränderung natürlich auch vor der Herausforderung, einen guten Start ins Berufsleben hinzubekommen.

4. Februar 2026, 13:17 Uhr: Die erste Bundesrunde für die bundesweit 585.000 Beschäftigten in der Chemie- und Pharmaindustrie ist ohne Ergebnis vertagt worden. Von einem Abschluss seien beide Seiten "noch weit entfernt", sagte Oliver Heinrich, der Verhandlungsführer der Chemiegewerkschaft IGBCE, fest. Während die Arbeitgeber kaum Spielraum beim Entgelt sehen, stellte die Gewerkschaft noch einmal ihre Forderung klar: „Eine Nullrunde wird es mit uns nicht geben", so Heinrich.  Am 23. und 24. Februar setzen IGBCE und Arbeitgeber ihre Gespräche in Wiesbaden fort. Der aktuelle Tarifvertrag läuft Ende Februar aus. Mehr in Kürze...

4. Februar 2026, 08:56 Uhr: Die Gespräche in Hannover zwischen IGBCE und BAVC gingen laut Bundesarbeitgeberverband gestern bis in die Nacht. BAVC-Verhandlungsführer Matthias Bürk spricht von einer insgesamt konstruktiven Atmosphäre. Nach seinem Eindruck sehe auch die Gewerkschaft die schwierige wirtschaftliche Lage der chemisch-pharmazeutischen Branche, sie ziehe aber andere Konsequenzen aus dieser Situation.

#chemie26
IGBCE-Verhandlungsführer und Tarifvorstand Oliver Heinrich beim Auftakt der Verhandlungen auf Bundesebene.

Gestern am ersten Verhandlungstag wurden zunächst in großer Runde die Positionen ausgetauscht und dann im Lauf des Tages in kleineren Zirkeln weiterverhandelt. In den Gesprächen ging es vor allem um das Thema Beschäftigungssicherung. Dies sei intensiv diskutiert worden, berichtete IGBCE-Verhandlungsführer Oliver Heinrich. Es müsse in dieser Tarifrunde auch darum gehen, Sicherheit zu vermitteln Sein Eindruck sei, die Arbeitgeberseite hätte vor allem erklärt, was alles nicht gehe. Bürks Aussage dazu war, dass es von Arbeitgeber-Seite her keine flächendeckende Jobgarantie per Tarifvertrag geben könne. Je schneller die Branche aber wieder wettbewerbsfähig werde, desto besser seien natürlich auch die Perspektiven für die Beschäftigung.

3. Februar 2026: Heute sind die Tarifverhandlungen für die chemisch-pharmazeutische Industrie auf Bundesebene in Hannover gestartet, die zunächst für zwei Tage angesetzt sind. Die Gewerkschaft IGBCE geht davon aus, dass die Verhandlungen bis in die Abendstunden gehen. Die insgesamt neun Verhandlungen auf regionaler Ebene, die Ende Januar 2026 stattfanden, sind alle gescheitert, da IGBCE und der Chemie-Arbeitgeberverband (BAVC) an ihren jeweiligen Standpunkten festgehalten haben.

Jetzt verhandeln wir auf Bundesebene. Unser Maßstab ist klar: Beschäftigung sichern, Kaufkraft stärken - dafür brauchen wir Bewegung der Arbeitgeber."

Oliver Heinrich, IGBCE-Vorstandsmitglied und Verhandlungsführer

Die Zahlen des Ifo-Instituts von Anfang Februar 2026 deuten auf eine leichte Entspannung für die Chemie-Industrie hin. Laut diesen hat sich das Geschäftsklima für die Branche leicht verbessert, auch die Geschäftserwartungen hellten sich ein wenig auf. Erstmals seit Monaten sei der Auftragsbestand für die Chemie-Unternehmen gestiegen, vermeldete das Wirtschaftsforschungsinstitut. Hier gelangen Sie zum Tarifblog aus 2024 und können nachlesen, wie die Tarifverhandlungen vor zwei Jahren abliefen.