Anlagensicherheit hat oberste Priorität
Insolvente Domo Chemicals Deutschland fährt Anlagen auf Notbetrieb
Die Produktion an den deutschen Standorten der Domo Chemicals-Gruppe wird ab sofort heruntergefahren und in den Notbetrieb versetzt. Laut Insolvenzverwaltung fehlen die finanziellen Mittel, um den Geschäftsbetrieb weiterzuführen.
Die Folien-Produktion in Leuna hatte Domo bereits 2020 eingestellt.
Domo Chemicals
Hintergrund ist das Scheitern von Verhandlungen mit
Gläubigern über ein kurzfristiges Massedarlehen zur Zwischenfinanzierung. „Der
Kontostand der insolventen Gesellschaften liegt bei annähernd null und die
Aussicht auf eine dringend benötigte Zwischenfinanzierung hat sich heute
zerschlagen“, erklärte Insolvenzverwalter Prof. Dr. Lucas F. Flöther. Man müsse
daher „Plan B“ aktivieren, der in den vergangenen Tagen mit der
Geschäftsführung vorbereitet worden sei. „Oberste Priorität hat jetzt, die
Anlagensicherheit weiter zu gewährleisten.“ Nach dem Scheitern der
Finanzierungsgespräche seien Beschäftigte sowie zuständige Behörden umgehend
informiert worden.
Drei deutsche Domo-Gesellschaften betroffen
Betroffen sind drei deutsche Tochterunternehmen der Domo
Chemicals-Gruppe, die am 25. Dezember Insolvenzantrag gestellt hatten:
- Domo Chemicals GmbH (Leuna): rund 35
Beschäftigte
- Domo Caproleuna GmbH (Leuna): rund 480
Beschäftigte
- Domo Engineering Plastics GmbH (Premnitz): rund
70 Beschäftigte
Andere Unternehmen der Domo-Gruppe sind nach Angaben aus der
Mitteilung nicht betroffen.
In den vergangenen Tagen hatte der vorläufige
Insolvenzverwalter mit den Gläubigern über die Freigabe gepfändeter Konten als
Massedarlehen verhandelt. Ziel war es, den Geschäftsbetrieb zumindest bis zum
Monatsende fortführen zu können. Diese Freigabe sei jedoch nur möglich, wenn
alle beteiligten Sicherungsgläubiger einstimmig zustimmen. „Wir haben bis
zuletzt dafür gekämpft, jedoch konnte diese Einstimmigkeit unter den Gläubigern
leider nicht erreicht werden“, so Flöther.
Folgen für Anlagenbetrieb und Verwertung offen
Welche Auswirkungen das Herunterfahren auf die Anlagen und
eine mögliche spätere Verwertung hat, ist laut Insolvenzverwaltung derzeit
nicht absehbar. „Wir unterstützen die Geschäftsführung dabei, die Anlagen
sicher herunterzufahren. Ob sie sich dann ohne Schäden irgendwann wieder
anfahren und weiter nutzen lassen, ist die große Frage“, sagte Flöther. Dies
wäre „für die Anlagen und den Chemiestandort, aber auch für die Gläubiger“
problematisch.
In der Domo Chemicals GmbH sind laut Mitteilung die
administrativen Funktionen der drei deutschen Unternehmen gebündelt. Die Domo
Caproleuna stellt organische Basisprodukte wie Caprolactam, Phenol und Aceton
her sowie Polyamid 6 (PA6) als Hauptprodukt, auch bekannt als Nylon 6. PA6 wird
unter anderem in der Automobilindustrie, der Elektro- und Elektronikbranche
sowie bei hochwertigen Konsumgütern eingesetzt. Die Domo Engineering Plastics
in Premnitz produziert ebenfalls Polyamid 6 sowie Compounds – technische
Kunststoffe, bei denen PA6 gezielt mit Zusatzstoffen kombiniert wird, um
Eigenschaften wie Festigkeit, Hitzebeständigkeit, Steifigkeit oder
Schlagzähigkeit präzise einzustellen. Diese Compounds kommen vor allem in der
Automobil-, Elektro- und Konsumgüterindustrie zum Einsatz.