Neue Auffanggesellschaft Polyamid GmbH stellt Insolvenzantrag

Domo-Chemiewerk in Leuna wieder insolvent

Die drohende Stilllegung des Chemiewerks Domo Caproleuna schien im April 2026 abgewendet, nachdem die Polyamid GmbH den Betrieb am Standort übernahm. Diese Auffanggesellschaft hat nun Insolvenz in Eigenverwaltung angemeldet. Grund sind gestiegene Rohstoffpreise und verschärfte Zahlungsbedingungen.

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Update vom 23. Juni 2026: Die Auffanggesellschaft Polyamid GmbH, die den Standort von Domo Caproleuna im April 2026 übernommen hatte, hat Mitte Juni 2026 nach Angaben des MDR Insolvenz angemeldet. Die Gesellschaft hat einen Antrag auf Insolvenz in Eigenverwaltung gestellt, es wird nach einem Investor gesucht. Grund für den Antrag sind die durch den Irankrieg gestiegenen Rohstoffpreise. In diesem Zusammenhang forderten Lieferanten Vorkasse für Lieferungen, was für die Gesellschaft zum Problem geworden ist.

Weiter berichtet der MDR, dass inzwischen gegen drei frühere Geschäftsführer der Domo Caproleuna von der Staatsanwaltschaft Halle wegen des Vorwurfs der Insolvenzverschleppung ermittelt wird.

Ursprüngliche Meldung vom 1. April 2026: Der Kaufvertrag sowie die notarielle Beurkundung wurden am 31. März abgeschlossen. Der Betrieb ging bereits zum 1. April über. „Das war eine Rettung in letzter Minute in einem in jeder Hinsicht ungewöhnlichen Verfahren“, betonte Insolvenzverwalter Prof. Dr. Lucas Flöther, der den Geschäftsbetrieb seit Ende Dezember fortführte. Weil in der insolventen Domo Caproleuna GmbH praktisch kein Geld für die Finanzierung des laufenden Betriebs vorhanden war, hätte das Chemiewerk unter normalen Umständen bereits im Januar stillgelegt werden müssen.

Allerdings war dies aus rein praktischen Gründen nicht möglich: Bei winterlichen Temperaturen lassen sich die Anlagen nicht ohne Umweltgefahren sicher herunterfahren. Das Land Sachsen-Anhalt hatte deshalb aus Gründen der Gefahrenabwehr im Rahmen einer sogenannten „Ersatzvornahme“ angeordnet, die Anlagen maximal bis Ende März in einem reduzierten Notbetrieb weiter zu fahren und so zu sichern. Damit blieb die Tür geöffnet für eine Investorenlösung, die nun mit der Übernahme durch die beiden Unternehmen gefunden wurde.

„Industrieruine“ wurde verhindert

Aus Sicht des Standortbetreibers Infraleuna steht dabei insbesondere der Erhalt des Verbundes im Fokus. „Mit der Übernahme ist es gelungen, einen erheblichen Schaden vom Chemiestandort Leuna abzuwenden. Der Standort- und Stoffverbund kann weiter aufrechterhalten werden“, erklärte Geschäftsführer Dr. Christof Günther. Damit bleibe die industrielle Funktionsfähigkeit des Standortes erhalten – eine zentrale Voraussetzung für dessen weitere Entwicklung.

Noch deutlicher formuliert es Klaus Paur, Geschäftsführer des Partners Leuna-Harze: „Unser oberstes Ziel war es, eine Industrieruine zu verhindern. Die Investition in die neue Gesellschaft war dafür notwendig und richtig.“ Der Kunststoff-Hersteller ist auf die Funktionsfähigkeit des Chemieverbunds in Leuna angewiesen.

Über 400 Arbeitsplätze bleiben erhalten

Auch für die Mitarbeitenden am Standort ist die gefundene Lösung eine gute Nachricht. So übernimmt die neu gegründete Erwerbergesellschaft, die unter dem Namen Leuna-Polyamid firmiert, neben dem Standort und der Immobilie in Leuna auch insgesamt 436 der zuletzt rund 500 Beschäftigten.

Konkret von der Übernahme betroffen sind die Geschäfte der Caproleuna GmbH, die organische Basisprodukte (z. B. Caprolactam, Phenol, Aceton) und Polyamid 6 („Nylon“) als Hauptprodukt her

Stellt. Das Produkt wird u.a. in der Automobilindustrie, der Elektro- und Elektronikbranche sowie bei hochwertigen Konsumgütern für leichte, langlebige und leistungsfähige Bauteile eingesetzt.

„Ganz entscheidend war bei alledem, dass die Beschäftigten hochgradig professionell mit dieser schwierigen Situation umgegangen sind und die Anlagen jederzeit sicher am Laufen gehalten haben“, erklärte Insolvenzverwalter Flöther. „Das verdient größten Respekt. Umso mehr freut mich, dass sich der Einsatz gelohnt hat und der Standort sowie ein Großteil der Arbeitsplätze gerettet werden konnte.“

Noch keine Lösung für Veredelungsgeschäft

Die Veredelungsgeschäft der Domo Engineering Plastics ist dagegen nicht Teil der Auffanglösung. Das im brandenburgischen Premnitz ansässige Unternehmen mit rund 70 Beschäftigten soll im eröffneten Insolvenzverfahren bis auf weiteres durch den Insolvenzverwalter fortgeführt werden.

Auch die Domo Chemicals GmbH in Leuna, die über keinen operativen Geschäftsbetrieb verfügt und bisher die administrativen Funktionen der drei deutschen Unternehmen gebündelt hat, wird nach einer Übergangsphase im April die Stilllegung einleiten müssen. Das Unternehmen beschäftigt rund 35 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.