Menschliche Beziehung kombiniert mit technologischer Unterstützung
KI-Systeme zur Mitarbeiterführung nutzen
Für Führungskräfte, die Stärken fördern, Sinn vermitteln, Vertrauen aufbauen und Menschen befähigen möchten, können KI-Systeme wertvolle Tools sein. Doch die KI ist kein Ersatz für echte Führung.
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Wertschätzung zeigen und individuell ausdrücken
Wertschätzung ist ein zentraler Hebel für Positive Leadership. KI-Systeme
können Führungskräften helfen, dieses persönlicher sowie beständiger und
widerspruchsfreier zu zeigen. KI-Tools können aus Projektberichten und Leistungsdaten
die individuellen Beiträge der Mitarbeitenden herausarbeiten. Zudem können Führungskräfte
sich von ihnen Vorschläge für anerkennende und wertschätzende Rückmeldungen vorformulieren
lassen. Um die Stimmung zu analysieren, können KI-Systeme in anonymisierten
Teamumfragen Muster erkennen, beispielsweise sinkende Zufriedenheit oder
Identifikation, und den Führungskräften Hinweise geben, wo welcher emotionale Support
sinnvoll wäre.
Die KI kann Führungskräfte daran erinnern, Personen und Teams ein Feedback
zu geben und ihnen die gewünschte Aufmerksamkeit zu schenken. Dies gerät im hektischen (Führungs-)Alltag oft in
Vergessenheit. Wichtig dabei ist, dass die Führungskräfte die KI-generierten Botschaften
stets prüfen und individuell gestalten. Ein kopierter KI-Text, der keine echte,
persönliche Beziehung zeigt, wirkt standardisiert und die signalisierte
Wertschätzung deshalb meist unglaubwürdig.
Kompetenzen ausbauen und Stärken fördern
Positive Leadership setzt auf Stärkenorientierung statt Defizitfokussierung.
KI-Systeme können helfen, die Potenziale von Mitarbeitenden sichtbar zu machen
und die Entwicklungsmaßnahmen zu individualisieren. KI-gestützte HR-Systeme
können Fähigkeitenprofile aus Projekten, der Alltagsarbeit der Mitarbeitenden
und ihrem Lernverhalten ableiten und deren Entwicklungspotenziale mit dieser
Kompetenzanalyse aufzeigen. Auf Basis dieser Daten können dann individuelle
Weiterbildungs- und Förderpläne erstellt werden wie Microlearnings, passende Seminare
und Lernempfehlungen. Zudem können Führungskräfte sich mit KI auf Mitarbeitendengespräche
und -Coachings vorbereiten und mit ihr zum Beispiel eine sinnvolle Struktur und
zielführende Fragen entwickeln.
Praxisbeispiel: Ein Mitarbeitender zeigt ausgeprägte Stärken beim analytischen Denken, jedoch wenig Selbstvertrauen beim Präsentieren seiner
Ideen und Lösungsvorschläge. Die KI schlägt zum Entwickeln des Selbstbewusstseins
spezielle Trainings, Übungen und Feedbackmethoden vor und die Führungskraft
begleitet diesen Entwicklungsprozess persönlich.
Motivation stärken und Empowerment fördern
Motivation entsteht, wenn Menschen Sinn erfahren, Autonomie erleben und
die Wirkung ihres Tuns spüren. KI-Systeme können diesbezüglich Transparenz
schaffen und so die Selbstwirksamkeit der Mitarbeitenden fördern. KI-Tools
können die Fortschritte in Projekten und in der Alltagsarbeit visualisieren und
die Beiträge der Mitarbeitenden zur Zielerreichung sichtbar machen. Außerdem können
die Vorschläge der Mitarbeitenden auf diese Weise strukturiert, geclustert und
priorisiert werden – so dass diese sich mit ihren Ideen stärker gehört und
wahrgenommen fühlen. Die Mitarbeitenden können die KI-Systeme auch nutzen, um
eigenständig Lösungen für Probleme zu entwickeln; Führungskräfte, die dies
fördern, stärken die Eigenverantwortung in ihrem Team.
Praxisbeispiel: Ein Team arbeitet an
einem komplexen Projekt. Die KI analysiert die Fortschritte und gibt den
Mitarbeitenden beispielsweise die Rückmeldung: „Durch Ihren Beitrag sank die
Bearbeitungszeit um 15 Prozent.“ Das stärkt ihre Motivation und macht sie stolz.
Hoffnung und Zuversicht in unsicheren Zeiten vermitteln
Gerade in Krisenzeiten oder bei großen Herausforderungen brauchen
Teams das Gefühl: „Wir schaffen das, wenn …“ Die KI kann dafür verschiedene
Zukunftsszenarien erstellen und Handlungsoptionen aufzeigen, insbesondere für Situationen,
in denen scheinbar nichts mehr geht. Umgekehrt können ähnliche
Herausforderungen in der Vergangenheit, im eigenen oder in anderen Unternehmen,
analysiert werden, sodass aufgezeigt wird, welche Lösungswege bereits
erfolgreich waren. Auf der anderen Seite kann KI als narrative Unterstützung
dienen, die Führungskräfte nutzen, um klare, verständliche und ermutigende
Kommunikationsbotschaften für ihre Mitarbeitenden zu entwickeln.
Praxisbeispiel: Bei einer Transformation
zeigt die KI: „80 Prozent der vergleichbaren Projekte in der Vergangenheit haben
ihre Ziele erreicht, wenn folgende Maßnahmen umgesetzt wurden: …“ Die
Führungskraft nutzt diese Information, um Zuversicht zu vermitteln – ergänzt
durch eine persönliche Ansprache und Orientierung.
Die psychologische Sicherheit fördern
Psychologische Sicherheit bedeutet, dass Mitarbeitende den Mut haben, ihre
Meinungen, Bedenken, Wünsche, Erwartungen und so weiter in ihrem Arbeitsumfeld offen zu artikulieren,
weil sie keine negativen Konsequenzen hiervon befürchten. KI-Systeme können
hierbei unterstützend wirken – sofern sie sensibel eingesetzt werden.
Die KI kann die Feedbacks auswerten und Muster erkennen, ohne
Einzelpersonen offenzulegen. Wie ein Frühwarnsystem können diese Sprach- und
Textanalysen beispielsweise bei Umfragen auf latent vorhandene Konflikte, Spannungen
und Unsicherheiten hinweisen. Sollte das der Fall sein, kann KI Führungskräften beim Vorbereiten schwieriger
Gespräche helfen, indem sie Formulierungsvorschläge für ein konstruktives
Feedback macht. Hierbei ist die Transparenz entscheidend. Die Mitarbeitenden müssen wissen, wie und wofür die erhobenen Daten genutzt werden, sonst entsteht
Misstrauen statt Vertrauen und Sicherheit.
Warum KI Führung nicht ersetzen kann
So hilfreich KI-Systeme im Arbeits- und Führungsalltag oft auch sind, sie
sind und bleiben Werkzeuge. Positive Leadership basiert auf einer echten,
persönlichen Mensch-Mensch-Beziehung und diese lässt sich nicht digitalisieren
sowie automatisieren.
Wertschätzung wirkt nur, wenn sie spürbar ernst gemeint und ehrlich ist.
KI kann zwar wertschätzend formulieren, jedoch nicht fühlen. Vertrauen erwächst
aus persönlicher Interaktion, erfahrener Zuverlässigkeit und geteilten Erfahrungen
– nicht durch Algorithmen. Führung erfordert Empathie, situatives Gespür und
Intuition. KI kann zwar Hinweise geben, jedoch keine echte emotionale,
persönliche Resonanz erzeugen.
Führen bedeutet auch, Entscheidungen zu treffen und die Verantwortung hierfür
zu übernehmen, auch in einem von Unsicherheit geprägten Umfeld. Diese Funktion
und Haltung kann nicht an Maschinen delegiert
werden. Jeder Mensch und jede Situation sowie Konstellation ist einzigartig. KI
arbeitet mit erkannten Mustern – Führung mit Menschen.
Die KI als Werkzeug nutzen
KI-Systeme bieten Führungskräften enorme Chancen: Sie können ihnen helfen,
Wertschätzung gezielter auszudrücken, Stärken zu fördern, Motivation zu
steigern, Zuversicht zu vermitteln und die psychologische Sicherheit der
Mitarbeitenden zu unterstützen.
Der entscheidende Erfolgsfaktor bleibt jedoch der Mensch. KI kann
vorbereiten, analysieren und inspirieren – jedoch nicht führen. Die wirksamste
Führung entsteht, wenn technologische Unterstützung und
echte menschliche Beziehung zusammenkommen. Oder
anders formuliert: KI kann Führungskräften zwar helfen, ihre Wirksamkeit zu
erhöhen; sie kann diese jedoch nicht ersetzen.