Chemisches Recycling bis 150.000 t/a

Neste startet weltweit größte Aufbereitungsanlage für verflüssigte Kunststoffabfälle

Neste skaliert das chemische Recycling mit einer neuen Aufbereitungsanlage für verflüssigte Kunststoffabfälle an der Raffinerie Porvoo in Finnland. Mit einer Kapazität bis 150.000 t/a ist sie laut Unternehmen die weltweit größte Anlage dieser Art.

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Die neue Anlage von Neste zur Weiterverarbeitung verflüssigter Kunststoffe befindet sich am bestehenden Raffinerie-Standort des Unternehmens in Porvoo, Finland. // Neste’s new facility to upgrade liquefied waste plastic into high-quality petrochemical feedstock is located at the company’s existing refinery in Porvoo, Finland.
Die neue Anlage von Neste zur Weiterverarbeitung verflüssigter Kunststoffe befindet sich am bestehenden Raffinerie-Standort des Unternehmens in Porvoo, Finland.

In der Anlage verarbeitet der auf die Verarbeitung regenartiver Rohstoffe spezialiserte Konzern Neste verflüssigten Kunststoffabfall – etwa Pyrolyseöl – zu hochwertigen Rohstoffen für die Kunststoff- und Chemieindustrie. Das Unternehmen will damit die Lücke zwischen qualitativ schwankenden Kunststoffabfallströmen und den hohen Anforderungen der petrochemischen Industrie an sogenannte Drop-in-Rohstoffe schließen. Die Produktion soll nun schrittweise hochgefahren werden.

Der Bau der Anlage und ihre Integration in die bestehende Ölraffinerie in Porvoo hatten 2023 begonnen und wurden Ende 2025 abgeschlossen. Die Investitionssumme gibt das Unternehmen mit 111 Mio. Euro an. Seit 2020 verarbeitet Neste nach eigenen Angaben bereits verflüssigte Kunststoffabfälle. Der nun gestartete Hochlauf soll sich abhängig von Markt- und Regulierungsentwicklung fortsetzen.

Kunststoffabfall verflüssigen statt verbrennen

Laut Neste können in der Anlage insbesondere solche Kunststoffabfälle verarbeitet werden, die für das mechanische Recycling nur eingeschränkt geeignet sind. Dazu zählen etwa mehrschichtige Verpackungen, gemischte Kunststoffabfälle oder verunreinigte Kunststoffströme. Diese Materialien würden bislang häufig verbrannt oder deponiert.

In dem Verfahren verarbeitet Neste die verflüssigten Kunststoffabfälle gemeinsam mit Rohöl. Nach Unternehmensangaben kann der Einsatz des Produkts Neste RE den Verbrauch fossiler Primärressourcen um mehr als 70 % und die Treibhausgasemissionen um mehr als 35 % senken, wenn Kunststoffabfälle chemisch recycelt statt verbrannt und die so gewonnenen Rohstoffe fossile Einsatzstoffe in der Kunststoffproduktion ersetzen. Die recycelten Anteile in den Endprodukten ordnet das Unternehmen über die Massenbilanz zu.

Zugleich verbindet Neste die Inbetriebnahme der Anlage mit einem Appell an die Regulierung in Europa. Das Unternehmen kritisiert die aktuellen Berechnungsregeln der EU für Recyclinganteile im Rahmen der Einwegkunststoffrichtlinie. Diese könnten die Rolle von Raffinerien bei der Erfüllung europäischer Rezyklat-Ziele einschränken. Aus Sicht von Neste sollten die Regeln im Kontext der EU-Verpackungsverordnung angepasst werden.

Neben dem Betrieb der neuen Anlage engagiert sich Neste gemeinsam mit Alterra und Technip Energies auch bei der Lizenzierung von Verflüssigungstechnologien für das chemische Recycling schwer recycelbarer Kunststoffabfälle.