Schlacht auf der grünen Wiese
CT-Spotlight: Das Märchen von der Planungssicherheit
Prinzessinnen, Prinzen und Drachen haben auf den ersten Blick wenig mit dem Chemie-Anlagenbau zu tun. Wie doch noch der sprichwörtliche Schuh draus wird, soll Ihnen die nachfolgende Geschichte zeigen, die auf mehr oder minder wahren Begebenheiten beruht.
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Ziel von uns als Redaktion ist es, Ihnen als unseren Leserinnen und Lesern ausschließlich gut recherchierte Fakten zu präsentieren. An dieser Stelle wollen wir uns allerdings ausnahmsweise zu dem Horizont begeben, an dem Fakten und Fiktion verschwimmen und das Hoheitsgebiet der Legenden beginnt. Heutzutage wird nur noch hinter vorgehaltener Hand über den Mythos gemunkelt, denn höchstens die Branchenältesten haben ihn je Realität werden sehen. Ganz klar, es geht um die Planungssicherheit.
Und so in etwa ist das Märchen überliefert: In einem fernen Land lebte vor vielen Monden, als Chemieanlagen noch ausgelastet waren und Cybersecurity ein Wort war, das außerhalb der IT-Abteilung niemanden im Unternehmen zu interessieren hatte, eine Prinzessin namens Planungssicherheit. Eines schönen Tages, als sie einen Spaziergang über die grünen Felder ihres Königreichs machte, erschien ein dreiköpfiger Drache. Der erste Kopf spie ihr entgegen: „Mich nennt man Bürokratie.“ Der zweite Kopf grollte: „Ich bin als Lieferketten-Schwierigkeiten bekannt.“ Sogleich meldete sich der dritte Kopf zu Wort: „Mein Name ist Finanzierung.“ Irritiert blieb die Prinzessin stehen, denn ihre Eltern, Königin und König, hatten ihr versichert, dass Drachen im Königreich schon lange ausgestorben waren.
„Warum stellst du dich mir in den Weg?“, wandte sich die Prinzessin an den ersten Kopf des Drachen, weil es ihr so schien, als hätte er das Sagen. „Diese Felder sind mein Hoheitsgebiet und weil du sie durchquert hast, werde ich dich fressen, damit du nicht noch einmal auf die Idee kommst, dieses unberührte Land mit deiner Anwesenheit zu verderben.“
Endgegner: Finale Investitionsentscheidung
Zum Glück kam in diesem Augenblick ein Prinz zu Pferde über die grünen Felder geritten. „Mein Name ist Prinz Feed, ich komme auf meinem Ross Subvention aus dem weit entfernten Königreich Brüssel. Ich wäre schon früher hier gewesen, aber mein Pferd hat auf dem Weg drei Hufeisen verloren und lahmt seitdem. Kann ich einer Jungfrau in Nöten zu Hilfe eilen?“ Die Prinzessin, die ja nur einen Spaziergang hatte machen wollen, hatte ihr eigenes Schwert darum im Schloss liegen lassen und nahm das Angebot gerne an. So erhob Prinz Feed sein Schwert FID und schlug dem Drachen einen Kopf nach dem anderen ab. Wo das Blut des Ungeheuers den Boden tränkte, erschienen zwei goldene Schaufeln in einem Berg aus Sand. Prinzessin Planungssicherheit, zu Höflichkeit erzogen, streckte dem Prinzen ihre Hand entgegen, die dieser schüttelte, und dankte ihm für seine Hilfe. Dann gingen beide ihrer Wege. Sobald die Prinzessin wieder im Schloss war, gab sie ein Gemälde in Auftrag, um die Heldentat des Prinzen zu ehren. Das Bildnis hängt noch immer im Thronsaal des fernen Landes und zeigt die beiden Hände schüttelnd vor dem Berg aus Sand mit den zwei goldenen Schaufeln. Ende.
Was lernen wir daraus? Wenn die Ingenieurinnen und Ingenieure nur lang genug rechneten, alle Eventualitäten bedachten und weit genug im Voraus planten, soll es in grauer Vorzeit möglich gewesen sein, einen Zeitplan für den Anlagenbau aufzustellen, der weitestgehend eingehalten werden konnte – und der die finale Investitionsentscheidung überlebte, um das Licht der Welt zu erblicken. Käme heute jemand auf die Idee, erst in die Detailplanung eines Projekts zu gehen, wenn er genug Sicherheiten in Form von Investitionszusagen und Genehmigungen hat, wenn gerade keine Lieferkettenschwierigkeiten bei Baumaterial oder Chips bestehen und die Gefahr eines dritten Weltkriegs gebannt ist – nun, er könnte es auch gleich lassen. Denn wenn sie noch nicht bauen, so planen sie noch immer.