Oktober 2015
| von Armin Scheuermann, Redaktion
  • Nach einer Studie des Fraunhofer IAO und des IT-Branchenverbands Bitkom könnte die Vernetzung von Produktentwicklung, Produktion, Logistik und Kunden der Chemie zwischen 2013 und 2025 für ihre Wertschöpfung ein Plus von 30 Prozent bescheren.
  • Gelingt es, die in der Produktion vorhandenen Daten in mathematischen Modellen des Prozesses zu nutzen, könnten die Unternehmen ganz neue Wettbewerbsvorteile erschließen.
  • Anlagenplanung, -bau, Inbetriebnahme und Betrieb sollen ein durchgängiger Gesamtprozess werden.

Die Vision geht dabei über die Optimierung des Rohstoff- und Energieeinsatzes hinaus: Anlagenplanung, -bau, Inbetriebnahme und Betrieb sollen ein transparenter durchgängiger Gesamtprozess werden. Und die Produktion soll so flexibel gestaltet sein, dass die Hersteller den Herausforderungen volatiler Märkte gerecht werden. Die disziplinübergreifende Vernetzung der Informationen soll es beispielsweise ermöglichen, dass sich die Produktionsplanung und -logistik laufend anpassen lassen kann: Verspätet sich beispielsweise eine Rohstofflieferung, sind die Informationen darüber bereits so frühzeitig vorhanden, dass die Produktionsplanung auf die aktuell vorhandenen Rohstoffe umgestellt wird. Bildlich gesprochen: Liegen drei Rohstoffe auf einer Rohrbrücke, aber für die Produktion fehlt ein vierter, dann wird automatisch nach einem passenden Rezept auf Basis der verfügbaren Edukte gesucht – unter Berücksichtigung von Lagerbeständen, Kundenanfragen, Logistikkapazitäten und der Verfügbarkeit der für die Produktion notwendigen Technik.

Fazit: Es ist zum Schluss zwar nicht die Säure, die sich überlegt, was sie einmal werden will, aber die Grundüberlegung gilt auch für die „Chemieindustrie 4.0″.  Doch schon allein deshalb, weil im sensitiven Umfeld der Prozessindustrie das Sicherheitsbedürfnis sehr hoch ist und insbesondere noch viele Aspekte der „Cyber Security“ zu bearbeiten sind, wird Industrie 4.0 wahrscheinlich nicht als Revolution, sondern eher als Evolution Realität werden. Dennoch ist klar: Industrie 4.0 ist auch für die Prozessindustrie „das nächste große Ding“.

Zur Strategie
Industrie 4.0 oder Industrial Internet of Things?

In Deutschland werden die Aktivitäten zur vierten industriellen Revolution seit 2013 in der Plattform Industrie 4.0 gebündelt (www.plattform-i40.de). Diese wurde im April 2015 neu aufgesetzt: Nicht mehr Verbände führen fortan die Aktivitäten, sondern der nationale IT-Gipfel des Bundeswirtschaftsministeriums. In den USA arbeitet das Industrial Internet Consortium, ein Zusammenschluss großer IT- und Industrieunternehmen (www.industrialinternetconsortium.org), an der Vernetzung der Industrie. Gegründet von den Branchenriesen AT&T, Cisco, GE und IBM hat die Initiative inzwischen rund 140 Mitglieder. Das IIC hat sich zum Ziel gesetzt, Anwendungsszenarien und Demonstrations-Testfelder für die Verbindung von physischer und digitaler Welt in der Industrie auf den Weg zu bringen. Im Gegensatz zum Normungsansatz der Plattform Industrie 4.0 will das IIC für die Vernetzung Standards auf Basis schierer Marktmacht schaffen.

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