Chemie-Sozialpartner verhandeln in Frankenthal

Handshake ohne Einigung: Roland Strasser von der Gewerkschaft IGBCE (links) und Hendrik Müller, Vertreter der Chemie-Arbeitgeber (rechts). (Bild: Chemieverbände Rheinland-Pfalz)

Die Arbeitgeberseite fordert angesichts der schwierigen wirtschaftlichen Lage vieler Betriebe eine Nullrunde, die Gewerkschaft will dagegen ein Lohnplus von 7 % durchsetzen. „Die Chemie-Arbeitgeber fordern, dass wir uns in dieser Tarifrunde auf die Realitäten besinnen. Genau das tun wir“, erklärte der regionale Verhandlungsführer der Gewerkschaft IGBCE, Roland Strasser. „Denn die Realität wird sein, dass viele Unternehmen auch 2024 wieder ihr Dividenden-Füllhorn ausschütten werden. Dann aber den Beschäftigten, die dies alles überhaupt erst tagtäglich erarbeiten zu sagen, für Euch ist kein Geld da – das ist realitätsfern, respektlos und sorgte in der Tarifkommission für ziemliche Empörung.“ Die unterschiedlichen Positionen von Gewerkschaft und Arbeitgebern haben wir hier zusammengefasst:

„Eine existentielle Krise sieht anders aus.“

Die Arbeitgebervertreter malen ein anderes Bild der wirtschaftlichen Lage: „Die Produktion am Standort Deutschland ist vielfach nicht mehr wettbewerbsfähig. Das Wachstum findet im Ausland statt. Die rheinland-pfälzische Chemie mit ihrem hohen Exportanteil von 70 % ist davon besonders betroffen. Daher brauchen wir jetzt einen Krisentarifvertrag für die Branche“, sagte Verhandlungsführer Hendrik Müller.

Die Gewerkschaft weisen diese Darstellung – zumindest für die Gesamtbranche – dagegen zurück. Schwierig sei die Lage allein bei den energieintensiven Industrien, die Geschäfte der Konsumgüter- und Pharmaindustrie liefen gut bis hervorragend. Nur wenige Unternehmen machten aktuell von Öffnungsklauseln aus wirtschaftlicher Not Gebrauch, betonte Gewerkschaftsführer Strasser. „Eine existentielle Krise sieht anders aus.“

Weiterer Verlauf der Tarifrunde

Nach dem Scheitern der Gespräche in Rheinland-Pfalz werden die Verhandlungen nun zunächst in den anderen Tarifbezirken durchgeführt. Erst nach Abschluss der letzten regionalen Tarifverhandlung am 26. April im Saarland wird entschieden, ob die regionalen Tarifkommissionen weiterverhandeln oder das Mandat für weitere Verhandlungen an die Bundestarifkommission übertragen wird.

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