Löscharbeiten nach der Explosion im Chemiepark Leverkusen; Bild: Currenta

Die Explosion in der Sonderabfall-Verbrennungsanlage in Leverkusen-Bürrig wurde vermutlich durch Reaktion und Selbsterwärmung von flüssigen Abfällen in Lagertank 3 verursacht. (Bild: Currenta)

Update vom 24.9.: Der mit der Untersuchung des Explosionsereignisses am 27.07.2021 im Entsorgungszentrum Bürrig der Firma Currenta beauftragte Sachverständige hat den zweiten Zwischenbericht vorgelegt, der sich hauptsächlich mit experimentellen Untersuchungen des Abfalls, der im explodierten Tank gelagert wurde, befasst. Mit den Ergebnissen dieser Untersuchungen wird die im ersten Zwischenbericht vermutete Ursache für die Explosion weiter erhärtet. Danach soll eine chemische Reaktion des Abfalls mit zunehmender Temperatur zu einem rapide ansteigenden Überdruck im Lagertank geführt haben, der trotz der vorhandenen Sicherheitssysteme des Tanks nicht mehr abgebaut werden konnte. Durch experimentelle Untersuchungen, die vom Gutachter in Auftrag gegeben wurden, wäre hiermit die Selbsterwärmung des Abfalls verbunden mit einem Druckanstieg bestätigt, heißt es in einer Pressemeldung der Bezirksregierung Köln. Ebenso wie eine sich selbst beschleunigende Reaktion.

Danach fände der größte Temperatur- und Druckanstieg innerhalb der letzten Viertelsekunde statt und führte zu einem explosionsartigen Zerplatzen der Messzelle. Damit wäre bestätigt, dass der Abfall in Bürrig oberhalb der Selbsterwärmungstemperatur gelagert und so die Reaktion in Gang gesetzt wurde. Bereits in der Vergangenheit wurde dieser Abfall der Firma Agricultural Solutions A/S aus Dänemark in anderen europäischen Anlagen verbrannt und hat nach Erkenntnissen der Bezirksregierung Köln dort keine Unfälle verursacht. Bevor endgültige Schlussfolgerungen aus dem Ereignis und den daraus folgenden Konsequenzen gezogen werden können, müssen weitere Untersuchungen des Sachverständigen abgewartet werden, heißt es bei der Bezirksregierung Köln.

Die Autoren des Sachverständigengutachtens halten es für wahrscheinlich, dass eine Lagerung der Abfallflüssigkeit über der sogenannten „Selbstexplosionstemperatur“ des gelagerten Stoffes zu Selbsterwärmungseffekten geführt hat. Dies geht aus dem ersten Zwischenbericht zur Brandursachenermittlung hervor, teilte die Bezirksregierung Köln am 30.08.2021 in der Sitzung des Stadrates von Leverkusen mit.

Zu schnell für die Sicherungseinrichtungen

Als Folge der Selbsterwärmung sei es zu einem exponentiellen Temperatur- und Druckanstieg in Tank 3 des Entsorgungszentrums in Bürrig gekommen. Chempark-Betreiber Currenta zitiert in seiner Mitteilung den Bericht unter „Brand- und Explosionsursache“: „Der ganze Vorgang ging so schnell, dass die Sicherungseinrichtungen den Druck nicht mehr abführen konnten. Als der Druck dann über dem Auslegungsdruck des Behälters lag, explodierte dieser.“ Am 27. Juli 2021 um 9.37 Uhr habe der Druck die Belastbarkeitsgrenze des Tanks überschritten. Durch die Explosion haben sich nach Einschätzung der Gutachter die Abfallflüssigkeit und das zuvor zur Kühlung in den Tank gepumpte Heizöl mit der Umgebungsluft vermischt und sofort durchgezündet. Im Anschluss an diese beiden Explosionsvorgänge sei es dann zum Brand im Tanklager gekommen.

„Die Ergebnisse dieses Zwischenberichts passen zu unseren bisherigen Erkenntnissen“, erklärt Currenta-Geschäftsführer Hans Gennen. Bereits veröffentlichte Analyse-Ergebnisse hatten unter anderem ergeben, dass anders als zunächst befürchtet keine  erhöhten Werte für Gefahrstoffe wie Dioxin in der Umgebung nachweisbar seien. Der aktuelle Zwischenbericht sei "ein wichtiger Teil der Aufklärung durch die Ermittlungs- und Aufsichtsbehörden, die wir vollumfänglich unterstützen werden,“ so Gennen weiter. Bei der Explosion am Vormittag des 27. Juli 2021 kamen sechs Menschen ums Leben, 31 wurden verletzt. Detaillierte Informationen sowie eine schematische Darstellung zum Ablauf der Explosion hat Currenta in einem eigens eingerichteten Blog zusammengestellt.

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