Preisentwicklung des boomenden Energieträgers

Was kostet Wasserstoff jetzt und in Zukunft?

Alle sind sich einig, dass gerade grüner Wasserstoff in unserem Energiesystem eine immer größere Rolle spielen wird. Doch wieviel kostet Wasserstoff eigentlich und wie werden sich die Preise weiter entwickeln?

Produktion von Wasserstoff
Die Kosten von Wasserstoff unterscheiden sich je nach Herstellungsweise deutlich.

Viele Studien gingen bisher davon aus, dass die Produktionskosten für grünen Wasserstoff schon bald auf bis zu 2 Euro/kg sinken könnten. Dieser Richtwert ist von Bedeutung, da er unter den Kosten für sogenannten blauen Wasserstoff liegt, der durch Methanreformierung von Erdgas hergestellt wird und bei dem der freigesetzte Kohlenstoff gebunden wird – beispielsweise per Carbon Capture and Storage (CCS). Sollten die Kosten unter 2 Euro fallen, würde grüner Wasserstoff sogar mit fossilem Wasserstoff konkurrieren können – bei diesem sogenannten grauen Wasserstoff wird das bei der Methanreformierung entstehende CO2 nicht abgeschieden. Zur Farbdefinition von verschiedenen Wasserstoff-Varianten lesen Sie hier weitere Hintergründe.

Wieviel kosten verschiedene Wasserstoff-Varianten derzeit?

Wer an der Tankstelle Wasserstoff bezieht, muss laut der Webseite des Tankstellen-Betreibers H2 live aktuell (Stand 27.01.2026) mit einem Preis zwischen 15 und 20 Euro/kg rechnen – an wenigen ausgewählten Tankstellen in Düsseldorf und im Rhein-Neckar-Kreis gilt ein Preis von 8 Euro/kg. Auch die Produktionskosten von grünem Wasserstoff sind noch mehr oder weniger deutlich von der „magischen“ 2-Euro-Marke entfernt. Da grüner Wasserstoff in der Regel per Wasserelektrolyse, also der Zerlegung von Wasser mit Hilfe von elektrischem Strom, hergestellt wird, unterscheiden sich die Kosten je nach Herkunft des Stromes. Das European Hydrogen Observatory, Plattform der EU-Initiative „Sauberer Wasserstoff“, beziffert die Kosten für grünen Wasserstoff im Durchschnitt über 26 europäische Länder hinweg auf knapp 6,71 bis 7,42 Euro/kg. Die Kostendifferenz ergibt sich abhängig davon, ob der grüne Wasserstoff über Wasserelektrolyse mit direktem Anschluss an eine erneuerbare Energiequelle hergestellt wird oder die Energie erst zum Produktionsort transportiert werden muss, im Diagramm unten als grün (indirekt) gekennzeichnet.

Übrigens muss Wasserstoff nicht unbedingt als Wasserstoff verschifft werden. Es besteht auch die Möglichkeit ihn in Form von grünem Ammoniak zu speichern. Die Vor- und Nachteile verschiedener H2-Träger haben wir hier zusammengefasst.

Konventionell hergestellter Wasserstoff ist aber in jedem Fall heute noch günstiger: Für blauen Wasserstoff – also mit Abscheidung des entstehenden CO2 – geht das European Hydrogen Observatory von etwa 4,12 Euro/kg aus. Die Herstellungskosten von grauem Wasserstoff liegen sogar noch darunter (3,33 Euro/kg), da hier die CO2-Abscheidung eingespart wird.

Der russische Angriffskrieg auf die Ukraine hatte der Wirtschaftlichkeit von grünem Wasserstoff anfangs neuen Auftrieb verliehen: Bloomberg New Energy Finance berichtete, dass grüner Wasserstoff zeitweise in Europa, Afrika und dem Mittleren Osten günstiger als grauer Wasserstoff, der aus Erdgas gewonnen wird, war. Demnach kostete das klimafreundliche Gas dort zwischen 4,8 bis 6,7 US-Dollar pro Kilogramm, während Wasserstoff aus Erdgas 6,7 USD/kg kostete. Grund dafür war der infolge des Kriegs massiv gestiegene Preis für Erdgas. An der niederländischen Terminbörse Dutch TTF kostete Erdgas im April 2021 noch 18 USD/mmbtu – Anfang März 2022 waren die Preise auf zeitweise über 200 USD/mmbtu gestiegen, bevor sich der Preis für die Energieeinheit Mitte 2022 bei ca. 100 USD einpendelte.

Zu den Herstellungskosten sind – für alle Wasserstoff-Varianten gleich – auch noch die Transportkosten zu berücksichtigen. Warum der Transport per Pipeline die wirtschaftlichste Möglichkeit dafür ist und mit welchen Kosten hier zu rechnen ist, lesen Sie in diesem Artikel.

Wie hoch liegen die Kosten von (grünem) Wasserstoff in Zukunft?

Es ist davon auszugehen, dass sich durch niedrigere Kosten und eine breitere Verfügbarkeit von erneuerbarem Strom sowie mit effizienteren Elektrolyseanlagen in immer größeren Maßstäben die Herstellungskosten von grünem Wasserstoff in Zukunft deutlich sinken werden. Der Bedarf an Wasserstoff, etwa in der Industrie und in der Mobilität, wird außerdem weiter steigen. Gleichzeitig dürften sich die Kosten für fossilen Wasserstoff aufgrund von Umweltgesetzgebungen wie einer CO2-Steuer eher erhöhen. Mehr zu den politischen Rahmenbedingungen zur Förderung von Wasserstoff finden Sie in unserem Grundlagenartikel.

Optimistische Szenarien gingen bisher davon aus, dass die Kosten für grünen Wasserstoff – auch in Deutschland – schon 2030 auf 2 bis 2,50 Euro/kg sinken könnten. Eine Analyse des Beratungsunternehmens Aurora Energy Research aus 2022 legt jedoch nahe, dass dieser Maßstab – zumindest für Europa – zu optimistisch ist. Aurora geht davon aus, dass grüner Wasserstoff im Jahr 2030 in den meisten europäischen Ländern zu einem Preis von 3 Euro/kg produziert werden kann. Am günstigsten ließe sich grüner Wasserstoff in Europa in Ländern wie Norwegen, Spanien und Griechenland produzieren, da hier vor Ort viel Wind- bzw. Sonnenenergie günstig verfügbar ist.

Schon heute nähern sich mehrere europäische Länder nach Angaben des European Hydrogen Observatory diesem Preis. Beispielsweise betrugen 2024 die Kosten für grünen Wasserstoff in Irland 4,33 Euro/kg und in Griechenland 5,38 Euro/kg. Bei grünem Wasserstoff, für den die Energie erst zum Produktionsort transportiert werden muss (indirekt), lagen die skandinavischen Länder Finnland (4,10 Euro/kg) und Schweden (4,19 Euro/kg) vorne.

Aurora rechnet damit, dass sich die 2-Euro-Schwelle mit einem Elektrolyseur erreichen lässt, der mit einer Auslastung von 50 % und durchschnittlichen Stromkosten von 10 Euro/MWh betrieben wird. So niedrige Stromkosten hält das Beratungsunternehmen jedoch auf absehbare Zeit für unrealistisch. Mit einem Durchbrechen der 2-Euro-Schwelle rechnen die Experten erst bis 2050. Schon 2034 könnte nach deren Einschätzung grüner Wasserstoff aber mit den Kosten von blauem Wasserstoff konkurrieren – eine Voraussetzung hierfür wäre jedoch, dass die Staaten ihren zum Teil hohen Netzentgelte für Elektrolysestrom streichen.