Transportschiff auf dem Meer vor blauem Himmel mit orangenen Gastanks beladen

Der starke Ausbau von LNG-Projekten könnte - wenn es so weiter geht wie geplant - das 1,5-Grad-Ziel des Pariser Abkommens gefährden. (Bild: Kpics - Fotolia)

Der Climate Action Tracker (CAT) ist eine unabhängige wissenschaftliche Analyse der Organisationen Climate Analytics und New Climate Institute. Die Organisationen verfolgen die Klimamaßnahmen von Regierungen und messen diese an dem weltweit vereinbarten Ziel des Pariser Abkommens, die Erwärmung deutlich unter 2 °C zu halten.

Für das Update zum Klimagipfel COP 27 in Ägypten hat CAT die CO2-Emissionen aller im Bau befindlichen, genehmigten und vorgeschlagenen Projekte zur Förderung von verflüssigtem Erdgas (LNG) zwischen 2021 und 2050 berechnet. Die Analyse-Plattform stellte fest, dass die LNG-Kapazitäten bis zur Mitte des Jahrhunderts rund 10 % des verbleibenden globalen Kohlenstoffbudgets für die 1,5-Grad-Erwärmung ausmachen könnten.

Was ist LNG?

LNG steht für Liquefied Natural Gas, übersetzt also verflüssigtes Erdgas. Es wird hergestellt, indem Erdgas auf etwa -162 °C gekühlt wird, wodurch sich sein Volumen um ein 600-faches verringert – das macht Lagerung und Transport platzsparender. Das LNG – welches zum größten Teil aus Methan besteht – wird im Gegensatz zu Erdgas nicht über Pipelines, sondern mit Transportschiffen in speziellen Tanks transportiert. Am Ziel angekommen, entladen die Transportschiffe ihre Fracht an einem LNG-Terminal, wo das LNG wieder in einen gasförmigen Zustand überführt wird, im englischen auch Regasification genannt.

Weiterhin zeigt die Analyse, dass es bis 2030 ein Überangebot von 500 Mt LNG geben könnte – das entspricht fast dem Fünffachen der russischen Gaseinfuhren der EU im Jahr 2021 und dem Doppelten der gesamten russischen Exporte weltweit. Dieses Überangebot an fossilem Gas könnte im Jahr 2030 zu einem Emissionsüberschuss von knapp 2 Gt/a CO2 führen, was deutlich über den Emissionswerten liegt, die dem Szenario der Internationalen Energieagentur (IEA) "Netto-Null bis 2050" (2022) entsprechen.

Die Energiekrise überlagert die Klimakrise

Bill Hare, CEO der CAT-Partnerorganisation Climate Analytics, meint, die Energiekrise habe die Klimakrise übernommen und er ergänzt, dass das vorgeschlagene, genehmigte und im Bau befindliche LNG weit über das hinausgeht, was benötigt wird, um russisches Gas zu ersetzen. Prof. Niklas Höhne von der CAT-Partnerorganisation New Climate Institute erklärt, dass sich die Regierungen im letzten Jahr auf die Energiekrise konzentriert haben und deshalb wenig neue Klimamaßnahmen beschlossen wurden. Das führt dazu, dass die Erwärmungsprognosen des CAT das Thermometer überhaupt nicht bewegt haben.

Die Erwärmung im Jahr 2100 würde unter Berücksichtigung aller nationalen Ziele für 2030 bei 2,4 °C liegen, was den Prognosen des CAT von der Klimakonferenz COP 26 in Glasgow entspricht. Höhne schließt mit den Worten, dass die Länder in der Klimapolitik in den Notfallmodus schalten müssen, um die Erwärmung auf 1,5 °C zu begrenzen, so wie sie es bei der Energiekrise tun.

Ebenfalls als vielversprechender alternativer Energieträger gehandelt ist Wasserstoff, schauen Sie sich dazu gerne unseren Themenfokus an:

CT-Fokusthema Wasserstoff

(Bild: Corona Borealis – stock.adobe.com)

In unserem Fokusthema informieren wir Sie zu allen Aspekten rund um das Trendthema Wasserstoff.

 

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