Endress+Hauser-Mitarbeiter bei Wartungsarbeiten

(Bild: Endress+Hauser)

Bei Auftragseingang, Umsatz, Gewinn und Beschäftigung erreichte Endress+Hauser neue Bestmarken. Das Unternehmen lieferte 2021 insgesamt 2,6 Mio. Messgeräte aus. „Unsere Kunden haben uns in hohem Maße vertraut“, sagte CEO Matthias Altendorf bei der Vorstellung der Geschäftszahlen. „Wir waren ein verlässlicher Partner, als die Nachfrage wieder angezogen hat“, beschrieb Altendorf: So konnte Endress+Hauser 2021 trotz angespannter Beschaffungsmärkte und Logistikketten nicht nur an die Vor-Corona-Zeit anknüpfen, sondern wichtige Kennzahlen deutlich verbessern. Der Nettoumsatz stieg um 11,7 Prozent auf 2,879 Milliarden Euro. In Asien und Amerika entwickelten sich die Verkäufe dynamisch, in Europa solide. Afrika lag im Plus, nur im Nahen Osten ging das stark von Öl und Gas abhängige Geschäft zurück. China vergrößerte seinen Vorsprung als umsatzstärkster Absatzmarkt vor den USA und Deutschland.

Überdurchschnittlicher Gewinn, hohe Investitionen

Der Auftragseingang lag 2021 noch einmal gut fünf Prozentpunkte über dem Umsatzwachstum. Firmenchef Altendorf sieht darin Nachholeffekte, ebenso eine Belebung der Nachfrage in fast allen Branchen. In der Prozessmesstechnik sorgten moderne Analyseverfahren sowie die Digitalisierung der Industrie für Impulse. Im Laborgeschäft, das 2020 von der Nachfrage nach PCR-Diagnostik beflügelt worden war, konnte die Tochterfirma Analytik Jena mit Produkten zur chemischen Analyse verstärkt wachsen. (Mehr zum Ausbau der Analytik bei Endress+Hauser lesen finden Sie in diesem Artikel.)

Wechselkurse hatten 2021 nur einen geringen Einfluss, berichtete Finanzchef Dr. Luc Schultheiss. Der Wertverlust des Euro kostete 0,5 Prozentpunkte Umsatz. Ausgaben für Material, Logistik und Personal stiegen zwar, durch die Pandemie gesunkene Kosten für Geschäftsreisen, Kundenbetreuung und Messeauftritte glichen dies jedoch teilweise aus. Dadurch wuchs der betriebliche Aufwand insgesamt unterdurchschnittlich; das Betriebsergebnis (Ebit) stieg um 28,8 Prozent auf 434,0 Millionen Euro.

Von den über 70 Produktinnovationen des vergangenen Jahres stehen viele in Verbindung mit dem Thema Digitalisierung. 213,4 Millionen Euro, rund 7,4 Prozent des Umsatzes, wandte Endress+Hauser 2021 für Forschung und Entwicklung auf, 9,4 Prozent mehr als im Jahr zuvor.

Bauprojekte von Mexiko bis Australien

Endress+Hauser stemmte 2021 Investitionen von 192,8 Millionen Euro (6,4 Prozent weniger als im Vorjahr). Gerade bezogen werden neue Gebäude im schweizerischen Reinach. Noch im Gange sind die Arbeiten an den Fertigungsstandorten Gerlingen und Waldheim in Deutschland sowie Aurangabad in Indien. Die größten neuen Vorhaben betreffen die Produktion im deutschen Maulburg sowie ein Werk im chinesischen Suzhou. Die Sales Center Mexiko und Finnland errichten eigene Gebäude; die Tochtergesellschaften in Australien und Argentinien kaufen Gebäude.

Ende 2021 arbeiteten weltweit 15.117 Menschen für das Familienunternehmen, 663 mehr als vor Jahresfrist. Vor allem in der Produktion wurden neue Stellen geschaffen. Nahezu alle Auszubildenden erhielten nach Abschluss ihrer Lehre ein Stellenangebot. Endress+Hauser will sein Engagement in der Ausbildung weiter verstärken und die Zahl der Auszubildenden, Studenten und Praktikanten in den nächsten Jahren verdoppeln.

Im unabhängigen Nachhaltigkeits-Audit von EcoVadis verbesserte sich Endress+Hauser um vier auf 76 Punkte. Damit bewegt sich das Unternehmen nun im obersten Prozent der Vergleichsgruppe. Auf Gruppenebene wurde die Position eines Corporate Social Responsibility Officers geschaffen. Die neue Verantwortliche soll die Nachhaltigkeitsstrategie weiterentwickeln und ihre Umsetzung vorantreiben.

„Angriff auf die Ukraine hat alles verändert“

Endress+Hauser startete mit einem rekordhohen Auftragsbestand ins laufende Jahr; im ersten Quartal lag der Auftragseingang über Plan. Die Firmengruppe hatte 2022 mit Wachstum im oberen einstelligen Prozentbereich gerechnet. Doch jetzt ist ungewiss, ob dieses Ziel erreichbar ist. „Russlands Angriff auf die Ukraine hat alles verändert“, sagte Matthias Altendorf. „Er bringt Leid über Millionen Menschen und trifft viele Gesellschaften zu einer Zeit, da die Pandemie noch lange nicht überwunden ist.“

Mit Beginn der Invasion hat Endress+Hauser alle Lieferungen nach Russland gestoppt: „Wir werden die Sanktionen in vollem Umfang einhalten“, betonte der Firmenchef. „Zugleich stehen wir gegenüber Mitarbeitenden und Kunden in Russland in der Verantwortung.“ 182 Menschen arbeiten im dortigen Sales Center. Unternehmen, die die Zivilgesellschaft versorgen und nicht unter die Sanktionen fallen – etwa in der Lebensmittelindustrie, den Life Sciences oder der Wasser- und Abwasser-Branche – will die Firmengruppe weiter beliefern.

„Wichtig ist nicht, ob wir unter allen Umständen unsere finanziellen Ziele erreichen – sondern dass wir in dieser Situation unsere Kunden weiterhin bestmöglich unterstützen“, bekräftigte Verwaltungsratspräsident Dr. h. c. Klaus Endress. Verwaltungsrat und Gesellschafterfamilie vertrauten den Menschen und dem Management der Firmengruppe. „Wir werden im Unternehmen zusammenhalten und für unsere Mitarbeitenden da sein. Gemeinsam werden wir gut durch diese herausfordernde Zeit kommen und weiter ein verlässlicher Partner für unsere Kunden sein.“

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