Stromzähler

Die Industrie soll ihre Anstrengungen zur Energieeffizienz verstärken. (Bild: beermedia - fotolia.com)

Im „Arbeitsplan Energieeffizienz“, den das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz am 17.05.2022 vorgelegt hat, werden Schritte und Maßnahmen der Bundesregierung zum Energiesparen und zur Energieeffizienz genannt. Außerdem soll es finanzielle Anreize und eine gezielte Förderung geben.

„Wir setzen derzeit alle Hebel in Bewegung, um unabhängiger von russischer Energie zu werden. So wichtig es dabei ist, kurzfristig alternative Lieferquellen für Gas aufzutun und die Infrastruktur dafür zu bauen: Der günstigste und effizienteste Beitrag zu mehr Unabhängigkeit ist weniger Energieverbrauch“, sage Wirtschafts- und Klimaschutz-Minister Robert Habeck zur Vorstellung des Arbeitsplans.

Dass dies anspruchsvoll das ist, zeige aber die bisherige Diskrepanz zwischen dem, was notwendig ist und dem wenigen, was in den letzten Jahren auf diesem Feld erreicht wurde. Um die Klimaschutzziele zu erreichen und die Versorgungssicherheit zu erhöhen, muss der Energieverbrauch laut BMWK bis 2030 massiv verringert werden. Die aktuelle, von der Bundesregierung unterstützte Novelle der EU-Energieeffizienzrichtlinie (EED) sieht daher für Deutschland eine Senkung des Primärenergieverbrauchs (PEV) um 37 % und des Endenergieverbrauchs (EEV) um 24 % (jeweils gegenüber 2008) vor. Falls im Zuge der aktuellen Russland-Ukraine-Krise weitere (zusätzliche) Einsparungen beschlossen werden sollten, erhöhe sich das Ambitionsniveau nochmals, so das Ministerium.

In den Jahren 2008-2018 habe sich der Endenergieverbrauch allerdings nur um insgesamt 2 % (durchschnittlich 0,3 % pro Jahr) verringert. Der Nachholbedarf sei also enorm. „Wir benötigen in der Energieeffizienzpolitik weit mehr Tempo und Konsequenz. Energiesparen ist ein gemeinsames, nationales Projekt, an dem Politik, Industrie, Mittelstand und Verbraucherinnern und Verbraucher ihren Anteil haben. Die Einsparungen und der schnelle Wechsel auf Erneuerbare Energien sind auch nötig, um den Kostendruck für private Haushalte und Wirtschaft zu mindern“, heißt es in dem nun veröffentlichten Arbeitsplan.

Industrie soll bei Prozesswärme effizienter werden

Neben den Haushalten brauche es auch in Industrie, Gewerbe und Handel mehr Energieeffizienz und einen schnellen Wechsel auf Erneuerbare – so das BMWK. Daher soll das bestehende Bundesförderprogramm Energie- und Ressourceneffizienz in der Wirtschaft (EEW) noch in diesem Jahr novelliert werden, um den Energieträgerwechsel in der Industrie zu unterstützen. Dabei geht es insbesondere um die Erzeugung industrieller Prozesswärme – beispielsweise mit Tiefengeothermieanlagen. Im Rahmen der Initiative Energieeffizienz- und Klimaschutznetzwerke (IEEKN) ist die Ausarbeitung und Kommunikation von schnell realisierbaren und klein-investiven Maßnahmen für Energieeffizienz und Energiesubstitution in Industrie und Gewerbe geplant.

In der Industrie sieht das Ministerium einen Nachfrageboom nach grünem Wasserstoff und will den Hochlauf von Wasserstoff durch eine ganze Reihe an Maßnahmen fördern: Ein großes europäisches Wasserstoffprojekt (sog. IPCEI Wasserstoff – Important Projects of Common European Interest) mit über 8 Milliarden Euro für 62 Projekte entlang der gesamten Wertschöpfungskette, mit 900 Millionen Euro für das Doppelauktionsmodell H2Global, mit politischen Rahmenverträgen für Energiepartnerschaften und mit dem Ausbau von Erneuerbaren in Deutschland. „Wir werden die Nutzung von Erneuerbarem Strom nochmals verbessern, in wir die Mengen an grünem Industriestrom erhöhen und eine Regelung „Nutzen statt Abschalten“ schaffen, durch die Strom, der nicht im Netz aufgenommen werden kann, ohne Abgaben und Gebühren in Speichermedien oder „Power-to-X“ verwendet werden kann. Hier finden Sie alle Beiträge zu unserem Fokusthema Wasserstoff.

Carbon Contracts for Difference in energieintensiven Industrien

Um den Betrieb klimafreundlicher Verfahren in der energieintensiven Industrie zeitnah zu ermöglichen, hat das BMWK Anfang Mai das Interessenbekundungsverfahren für Programme für Klimaschutzverträge (sog. Carbon Contracts for Difference) gestartet. Klimaschutzverträge sollen die Markteinführung klimafreundlicher Prozesse vor allem in den Grundstoffindustrien ermöglichen, indem Risiken vermindert und Betriebskostendifferenzen zwischen herkömmlichen und klimafreundlichen Verfahren ausgeglichen werden. Bis zum Sommer will das BMWK eine Förderrichtlinie erarbeiten, die der Europäischen Kommission anschließend zur Genehmigung vorgelegt werden soll. Die Klimaschutzverträge sollen dann noch in diesem Jahr als Förderinstrument eingeführt werden.

Carbon Contracts for Difference

Carbon Contracts for Difference (Differenzverträge, CCfD) sind ein Instrument, um klimafreundliche Investitionen – zum Beispiel in der Industrie – zu fördern. Denn bislang stellen schwankende Preise für CO2-Zertifikate ein Hemmnis für Investitionen dar, weil Projekte bei niedrigen Kohlendioxid-Preisen unrentabel werden können. Ein CCfD wird zwischen Staat und Investor geschlossen garantiert dem Investor einen festgelegten CO2-Preis. Liegt der zugesicherte Preis über dem aktuellen CO2-Preisniveau, wird das Projekt vom Staat bezuschusst. Steigt der Preis für CO2-Zertifikate über den Vertragspreis, zahlt das Unternehmen die Differenz zurück an den Staat.

Um den Energieverbrauch flächendeckend zu senken, will das Ministerium auch für die Institutionen der öffentlichen Hand die Einführung von Energie-/Umweltmanagementsystemen und spezifische jährliche Energiesparziele verpflichtend vorschreiben. Zudem heißt es in dem aktuellen Arbeitsplan: „Auch die energieintensive Industrie soll Energiemanagementsysteme

(EMS) betreiben“ – hier bleibt abzuwarten, was das konkret bedeutet, denn schließlich wird es wohl kaum ein energieintensives Unternehmen geben, das nicht längst ein Energiemanagement nach Iso 50001 implementiert hat.

Unser Special zum Thema Energieeffizienz vom Februar 2022 finden Sie hier.

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